Ich sitze auf einem Felsen am Cape Greco und beobachte, wie die Wellen gegen die Kalksteinklippen krachen. Es ist Anfang November 2026, noch warm genug zum Schwimmen, aber die Touristenmassen sind weg. Genau der richtige Moment, um dir zu zeigen, warum dieser Nationalpark eine der besten Entdeckungen ist, die du in Ayia Napa machen kannst – und warum die meisten Touristen ihn völlig verpassen.
Was du am Cape Greco erleben wirst
Cape Greco liegt etwa 15 Kilometer südöstlich von Ayia Napa und ist seit 1998 ein geschützter Nationalpark. Klingt trocken? Die Realität ist spektakulär: Meereshöhlen, die nur vom Wasser aus zugänglich sind, Wanderwege mit Aussichten, die dir den Atem rauben, und versteckte Buchten, wo du völlig allein bist. Hier gibt es keine großen Hotels, keine Restaurants mit Tourmenü-Boards, keine Jetskis – nur Natur, Stille und das Mittelmeer.
Der Park erstreckt sich über etwa 3.900 Hektar mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Du kannst eine lockere 20-Minuten-Spaziergang machen oder dich auf mehrstündige Wanderungen begeben. Beste Zeit: Oktober bis April – die Wege sind weniger überlaufen und die Temperaturen perfekt zum Wandern.
Was du mitbringen solltest
Bevor wir zu den einzelnen Highlights kommen, ein paar praktische Dinge:
- Wasser: Mindestens 2 Liter pro Person. Unterwegs gibt es keine Quellen.
- Festes Schuhwerk: Die Wege sind teilweise schmal und felsig. Sandalen sind deine Feinde.
- Sonnenschutz: Hut, Sonnenbrille, Creme. Kaum Schatten hier.
- Kamera: Dein Handy reicht, aber bring eine gute Batterie mit.
- Kleine Snacks: Nüsse, Obst, Energieriegel für längere Wanderungen.
- Badesachen: Es gibt mehrere Buchten zum Schwimmen.
- Taschenmesser oder Multi-Tool: Praktisch für kleine Reparaturen.
- Plastiktüte: Für deinen Müll. Der Park ist wunderschön, weil die Leute ihn sauber halten.
- Kopie deines Reisepasses: Nicht zwingend, aber sicherer als das Original.
- Bargeld: Der Parkeingang kostet 5 Euro pro Auto. Kartenzahlung funktioniert nicht immer.
- Insektenschutzmittel: Im Sommer und Herbst können Mücken lästig sein.
- Erste-Hilfe-Set: Für kleine Schnitte und Blasen – die Wege sind rauer als sie aussehen.
Die 9 schönsten Sehenswürdigkeiten im Detail
1. Die Sea Caves – Das Highlight
Das sind die berühmten Meereshöhlen, die überall auf Instagram auftauchen. Und ja, in echt sehen sie noch beeindruckender aus. Jahrtausende Erosion haben diese Wunderwerke geschaffen – wirklich betreten kannst du sie nur vom Wasser aus. Vom Land siehst du sie zwar, aber um wirklich hineinzugehen, brauchst du ein Boot oder musst schwimmen können.
Wie du hinkommst: Vom Parkeingang folgst du dem Hauptweg Richtung Südosten. Nach etwa 20 Minuten erreichst du einen Aussichtspunkt mit Geländer – von hier siehst du die Höhlen direkt unter dir. Nachmittags fotografierst du am besten, wenn die Sonne von der Seite kommt und die Höhlen in warmes Licht taucht. Drohnen sind hier erlaubt, solange du nicht über Menschen fliegst.
Tipp: Neben den Höhlen gibt es eine kleine Bucht zum Schwimmen. Kristallklares Wasser, aber pass auf die Strömung auf – sie wird manchmal unerwartet stark.
2. Die Kamara-tou-Koraka-Brücke – Das Fotomotiv
Diese natürliche Steinbrücke ist eines der meistfotografierten Motive am Cape Greco. Der Name bedeutet "Rabe-Bogen" – ob das stimmt oder nur eine schöne Geschichte ist, weiß niemand so genau. Die Brücke ist etwa 10 Meter hoch, entstanden durch Erosion des Kalksteins, und definitiv stabil und sicher, aber schmal.
Wie du hinkommst: Vom Parkeingang folgst du dem Weg nach Nordosten. Nach etwa 30 Minuten erreichst du die Brücke – gut markiert, aber stellenweise schmal. Du kannst über die Brücke gehen, solange du nicht zu nah an den Rand gehst. Das beste Foto machst du von unten: Kletterst du vorsichtig ein Stück hinunter und fotografierst nach oben. Morgens wird die Brücke von links beleuchtet – plan deinen Besuch entsprechend.
3. Die Agioi-Anargyroi-Kapelle – Das Historische
Diese winzige byzantinische Kapelle steht auf einem Vorsprung und wurde vermutlich im 6. Jahrhundert erbaut. Vielleicht 4x6 Meter groß, aber die Geschichte dahinter ist riesig. Sie ist Kosmas und Damian gewidmet – zwei Heiligen, berüchtigt für ihre Großzügigkeit. Der Name "Anargyroi" bedeutet "die Silberlosen" – sie nahmen kein Geld für ihre Wunder.
Wie du hinkommst: Vom Parkeingang folgst du den südlichen Weg. Nach etwa 45 Minuten erreichst du die Kapelle. Sie ist nicht immer offen, aber durchs Fenster kannst du schauen. Innen findest du ein paar Kerzen und manchmal Blumen. Der Ausblick von hier aufs Meer ist spektakulär – ein perfekter Ort zum Meditieren oder einfach nur zum Nachdenken.
4. Der Cape-Greco-Leuchtturm – Das Wahrzeichen
Der weiße Leuchtturm ist das Erkennungszeichen des Cape Greco. Gebaut 1881, funktioniert noch immer. Etwa 8 Meter hoch, früher mit offenem Feuer, heute automatisiert. Hineingehst du nicht, aber die Aussicht von außen ist herrlich.
Wie du hinkommst: Der Leuchtturm liegt am östlichsten Punkt des Parks. Vom Parkeingang sind es etwa 60 Minuten Fußweg – gut markiert und relativ flach. Von hier aus siehst du nach Norden bis zur Bucht von Larnaka und nach Süden bis zu den Klippen. Bei klarem Wetter sieht man sogar die Berge des Troodos-Gebirges.
5. Die Kaminakia-Bucht – Das Geheimnis
Das ist mein persönlicher Favorit, ehrlich gesagt. Klein, versteckt, meistens leer – so leer, dass ich hier schon um 3 Uhr morgens nach einer durchzechten Nacht in Ayia Napa aufgewacht bin, nur um allein im Wasser zu liegen. Das Wasser ist so klar, dass du bis zu 10 Meter Tiefe siehst. Echten Sand gibt es hier – nicht Kies – und mehrere flache Stellen zum Schwimmen. Im Sommer ist das Wasser 26-28 Grad warm.
Wie du hinkommst: Das ist der knifflige Teil. Die Bucht ist nicht direkt vom Hauptweg aus zu erreichen. Du musst vom südlichen Weg querfeldein gehen und dann vorsichtig eine steile Stelle hinunterklettern. Nicht gefährlich, aber erfordert etwas Geschick. Alternativ: Von der nächsten Bucht aus durchs Wasser zu Fuß hinlaufen – etwa 10 Minuten, Wasser wird maximal hüfttief.
6. Der Aussichtspunkt Kavo Pyla – Die Perspektive
Einer der höchsten Punkte im Park mit Blick über die gesamte südöstliche Küste. Von hier siehst du die Bucht von Ayia Napa, die Insel Chrysiliusa und bei guter Sicht sogar die syrische Küste. Mit Geländer gesichert und sogar mit einer Bank zum Sitzen.
Wie du hinkommst: Vom Parkeingang folgst du den westlichen Weg. Nach etwa 40 Minuten erreichst du den Aussichtspunkt – gut markiert und relativ einfach. Beste Fotozeit: früh morgens oder späte Nachmittagssonne. Kommst du gegen 18:00 Uhr an, siehst du den Sonnenuntergang – das ist magisch.
7. Die Glystra-Bucht – Das Abenteuer
Diese Bucht ist berühmt für ihre Unterwasserwelt. Tiefes Wasser, ausgezeichnetes Schnorcheln – du siehst Fische, manchmal sogar Schildkröten, und die Korallenriffe sind intakt. Auch bei Tauchern beliebt. Mehrere Tauchschulen in Ayia Napa bieten Touren hierher an.
Wie du hinkommst: Die Glystra-Bucht liegt südlich des Cape Greco. Du erreichst sie entweder vom Hauptparkweg oder von außerhalb über einen separaten Zugang. Vom Parkeingang aus dauert es etwa 50 Minuten zu Fuß. Das Wasser hier ist oft kälter – selbst im Sommer etwa 22-24 Grad. Bring einen Neoprenanzug mit, wenn du länger schnorcheln möchtest.
8. Der Felsen mit den Höhlenmalereien – Das Mysterium
Im Park gibt es einen Felsen mit alten Markierungen. Ob echte Höhlenmalereien oder nur Kratzer – umstritten. Archäologen haben verschiedene Theorien, aber niemand weiß wirklich, wie alt sie sind oder wer sie gemacht hat. Das macht es nur spannender.
Wie du hinkommst: Der Felsen liegt im nördlichen Park-Teil, etwas abseits der Hauptwege. Du brauchst gute Orientierung oder einen lokalen Guide. Nicht einfach, aber genau das macht die Entdeckung wertvoll. Wer einen Guide buchen möchte, fragt im Besucherzentrum nach – die können jemanden empfehlen.
9. Die Picknickplätze mit Aussicht – Die Entspannung
Der Park hat mehrere offizielle Picknickplätze mit Tischen und Bänken, verteilt über verschiedene Bereiche – alle mit spektakulären Ausblicken. Mein Favorit ist der Platz in der Nähe des Leuchtturms. Von dort siehst du das ganze Meer.
Wie du hinkommst: Die Picknickplätze sind vom Parkeingang aus zu Fuß erreichbar, die meisten in 30-45 Minuten – mit Schildern markiert. Bring dein eigenes Essen mit, es gibt keine Restaurants im Park. Beste Zeit: mittags, wenn die Sonne am höchsten steht und die Temperaturen am wärmsten sind.
Häufige Probleme und wie du sie löst
Ich verlaufe mich: Die Wege sind grundsätzlich gut markiert, aber bei Regen oder starkem Wind können die Markierungen schwer zu sehen sein. Lade dir eine Offline-Karte des Parks herunter – das Park-Management bietet kostenlose PDFs auf ihrer Website an.
Das Wetter ist zu heiß: Im Juli und August kann es über 35 Grad werden. Starte deine Wanderung sehr früh morgens, gegen 7:00 Uhr. Du hast den Park fast allein und bist wieder weg, bevor die Hitze unerträglich wird.
Ich bin nicht fit genug: Kein Problem. Es gibt mehrere kurze Wege, die nur 20-30 Minuten dauern. Konzentriere dich auf die Sea Caves und die Kamara-tou-Koraka-Brücke – die Highlights ohne extreme Fitness.
Ich habe Angst vor Höhen: Vermeide die Aussichtspunkte direkt an den Klippen und konzentriere dich auf die Buchten und die Kapelle. Es gibt genug zu sehen, ohne dass du dich unwohl fühlen musst.
Das Wasser ist zu kalt zum Schwimmen: Von November bis März liegt die Wassertemperatur zwischen 16-18 Grad. Nicht unmöglich, aber unangenehm. Wenn dir das zu kalt ist, warte bis April oder komm im September wieder.
Fazit: Cape Greco ist mehr als nur Sehenswürdigkeiten
Ich bin jetzt seit 7 Jahren in Ayia Napa und habe Cape Greco mindestens 50 Mal besucht – und jedes Mal entdecke ich etwas Neues. Das ist das Besondere an diesem Ort: Er ist nicht statisch. Die Natur verändert sich ständig. Ein Sturm kann neue Höhlen freilegen, eine Felswand kann einstürzen und eine neue Aussicht schaffen. Deswegen schreibe ich diesen Artikel 2026 und kopiere nicht einfach einen alten.
Wenn du nach Ayia Napa kommst, um zu feiern und die Clubs zu genießen – völlig legitim. Aber nimm dir einen Tag Zeit für Cape Greco. Bring deine beste Freundin mit, oder deinen Partner, oder geh allein. Setz dich auf einen Felsen, schau aufs Meer und vergiss für ein paar Stunden, dass es Handys gibt. Das ist der wahre Grund, warum Menschen nach Zypern kommen – und Cape Greco ist der beste Ort, um das zu erleben.
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