Es war Anfang Juli, als ich mit meiner Familie zum ersten Mal eine ganze Woche in Ayia Napa verbrachte. Meine Tochter war damals acht Jahre alt, mein Sohn fünf. Nach drei Tagen planlos herumzufahren und überall hineinzuplatzen, wo es gerade interessant aussah, merkten wir: Eine Struktur hätte uns viel Stress erspart. Seitdem plane ich jede Familienwoche in Ayia Napa nach einem bewährten Schema – und das funktioniert wirklich. Nicht zu straff, nicht zu locker. Genug Zeit für Strand und Abenteuer, genug Zeit zum Durchatmen im Hotel.
Dieser Plan funktioniert für Familien mit Kindern zwischen vier und vierzehn Jahren. Er balanciert Aktivität und Entspannung, berücksichtigt Mittagshitze und gibt euch Raum für spontane Änderungen. Alle Zeiten, Preise und Orte sind aktuell für 2026.
Option A: Der klassische aktive Wochenplan
Dieser Plan ist für Familien, die viel sehen möchten, deren Kinder gerne unterwegs sind und die bereit sind, früh aufzustehen. Er funktioniert besonders gut im Mai, Juni oder September, wenn die Temperatur noch unter 35 Grad bleibt.
Tag 1 – Ankunft und Orientierung (Montag)
Ihr kommt wahrscheinlich am Morgen oder Mittag an. Das erste, was ich immer empfehle: direkt ins Hotel, Koffer abstellen, schnell duschen. Nicht sofort in die Sonne. Eure Kinder sind müde vom Flug, ihr seid es auch. Um 17 Uhr dann ein leichter Spaziergang durch die Altstadt von Ayia Napa – die Straßen sind dann im Schatten, die Temperatur sinkt langsam. Besucht die Klosterkirche, schaut euch die Platanen an, lasst die Kinder auf den Treppen herumrennen. Das kostet nichts und gibt euch ein Gefühl für den Ort.
Zum Abendessen: Taverna Christos in der Altstadt, Hauptstraße. Einfaches, ehrliches Essen. Gyros für die Kinder (3,50 Euro), Moussaka (8,50 Euro), Salate (4 Euro). Familie von vier Personen zahlt etwa 35–40 Euro inklusive Getränke. Der Besitzer kennt Familien und hat immer ein paar Extras für die Kinder.
Tag 2 – Strand und erste Gewöhnung (Dienstag)
Morgens um 8 Uhr ins Wasser. Warum so früh? Der Strand ist noch nicht überlaufen, die Sonne ist nicht brutal, eure Kinder haben Energie. Geht zum Nissi Beach – der beliebteste Familienstrand Ayia Napas. Der Sand ist fein, das Wasser flach und warm, es gibt Liegen und Schirme zu mieten (Liege + Schirm zusammen etwa 8 Euro pro Tag). Von 9 bis 12 Uhr: schwimmen, spielen, sandig werden.
Mittags zurück ins Hotel, Mittagessen dort oder in einem nahen Café. Von 13 bis 17 Uhr: Ruhe im klimatisierten Zimmer, Pool, leichte Snacks. Das ist nicht faul – das ist notwendig. Kinder unter zehn Jahren können die Mittagshitze (35–38 Grad) nicht einfach ignorieren. Sie werden reizbar und erschöpft.
Am späten Nachmittag: Wasserpark. Das Waterpark Ayia Napa öffnet um 10 Uhr, aber es wird ab 16 Uhr ruhiger. Eintritt: Erwachsene 24 Euro, Kinder (4–11 Jahre) 16 Euro, unter 4 Jahren frei. Zwei Stunden reichen völlig. Die Kinder fahren Rutschen, ihr sitzt im Schatten und trinkt Kaffee. Abends leichtes Essen: Souvlaki House, Napa Square, 5–6 Euro pro Portion.
Tag 3 – Ausflug ins Landesinnere (Mittwoch)
Ein Tag weg vom Strand, um die Insel zu sehen. Mietauto oder Taxitour (Taxifahrer vor eurem Hotel kennen gute Fahrer, etwa 120 Euro für den ganzen Tag für vier Personen). Fahrt nach Larnaca (45 Minuten), besucht die Kirche des Heiligen Lazarus und den Salzsee. Der See ist beeindruckend – flach, rosa gefärbt von Algen, Flamingos (besonders im Winter sichtbar). Die Kinder finden das geheimnisvoll. Mittagessen in einem Restaurant am Wasser: Fisch (10–12 Euro), Salat, Brot. Rückfahrt am späten Nachmittag. Abends früh ins Bett – dieser Tag ist anstrengend.
Tag 4 – Entspannter Strandtag mit lokalem Flair (Donnerstag)
Wechsel zu einem anderen Strand: Glyki Nero Beach oder Kermia Beach, etwas ruhiger als Nissi, weniger Touristen. Morgens schwimmen, mittags Pause, nachmittags langsam bummeln. Die Kinder bauen Sandburgen, ihr sitzt mit einem Buch da. Abends: Eis essen in der Eisdiele Gelateria Dolce Vita (2,50 Euro pro Portion), dann zum Sonnenuntergang an den Strand zurück. Das ist der Moment, wo Familien entspannen und verstehen, warum sie hergekommen sind.
Option B: Der flexible, entspannte Wochenplan
Dieser Plan ist für Familien, die lieber langsamer unterwegs sind, deren Kinder jünger sind (unter sechs Jahren) oder die weniger Stress haben möchten. Er funktioniert auch besser, wenn es heiß ist oder wenn ihr im Hochsommer (Juli, August) reist.
Tag 1–2 – Hotel und unmittelbare Umgebung
Bleibt in den ersten zwei Tagen im Hotel und dessen direkter Umgebung. Viele Hotels in Ayia Napa haben gute Kinderpools und Animationsprogramme. Nutzt das. Eure Kinder gewöhnen sich an den Rhythmus, die Zeitverschiebung, das Wasser. Kleine Kinder brauchen diese Routine. Geht abends spazieren, aber nicht weit. Esst in Hotels oder in direkter Nähe.
Tag 3 – Wasserpark und entspannter Nachmittag
Nur eine Aktivität: Wasserpark. Ankunft um 10 Uhr, Abfahrt um 14 Uhr. Das reicht. Kleine Kinder werden schnell überfordert. Danach zurück ins Hotel, Mittagessen im Zimmer oder Hotel-Restaurant, Ruhe bis 17 Uhr. Am Abend: einfaches Dinner in der Nähe.
Tag 4 – Strand ohne Druck
Nur Strand. Nissi Beach, aber ohne Zeitplan. Kommt um 9 Uhr, bleibt bis 12 Uhr, geht. Mittagessen im Hotel, Ruhe, kurzer Spaziergang am späten Nachmittag. Das ist alles. Kinder unter sechs Jahren brauchen nicht mehr.
Tag 5 – Kurzer Ausflug
Taxifahrt zu einem nahen Ort: Cape Greco (20 Minuten), Wanderung zum Leuchtturm (einfach, 30 Minuten), Picknick, Rückfahrt. Oder: Kap Greko Meereshöhlen, mit Boot erreichbar (etwa 30 Euro pro Person, 45 Minuten Fahrt). Kleine Kinder finden Boote spannend.
Tag 6–7 – Wiederholung mit Flexibilität
Macht das, worauf eure Kinder Lust haben. Strand, Pool, lokales Restaurant, Eisdiele. Keine neuen Aktivitäten. Das ist psychologisch wichtig: Am Ende der Woche wollen Kinder Routine und Vertrautheit, nicht neue Abenteuer.
Vergleichstabelle: Aktiv vs. Entspannt
| Kriterium | Option A (Aktiv) | Option B (Entspannt) |
|---|---|---|
| Tagesablauf | Früh aufstehen, mehrere Aktivitäten, Mittagspause | Flexibel, maximal eine Hauptaktivität pro Tag |
| Ideales Alter | 6–14 Jahre | 3–8 Jahre |
| Beste Jahreszeit | Mai, Juni, September | Juli, August (Hitze), oder kleine Kinder |
| Tägliche Kosten (Familie 4) | 80–120 Euro | 50–80 Euro |
| Anstrengung für Eltern | Mittel bis hoch | Niedrig |
| Anzahl neuer Orte | 5–6 pro Woche | 2–3 pro Woche |
Budgetplanung für die Woche
Eine vierköpfige Familie (zwei Erwachsene, zwei Kinder 5–12 Jahre) rechnet mit folgenden täglichen Kosten außer Hotel:
- Frühstück: 15–20 Euro (Hotel oder Café)
- Mittagessen: 25–35 Euro (leicht, Taverne oder Café)
- Abendessen: 30–50 Euro (Restaurant)
- Aktivitäten: 20–40 Euro (Strand mit Liege/Schirm, Wasserpark, kleine Ausflüge)
- Getränke/Snacks: 10–15 Euro
Gesamtbudget pro Tag: 100–160 Euro (ohne Hotel, ohne Flug, ohne Mietauto). Für sieben Tage: 700–1.120 Euro.
Sparmaßnahmen: Mittagessen im Hotel nehmen, weniger Restaurants, mehr Selbstversorgung aus dem Supermarkt (Obst, Joghurt, Brot). Das spart schnell 20–30 Prozent.
Was tun bei Hitze oder Regen?
Bei extremer Hitze (über 37 Grad)
Das kommt im Juli und August vor. Kleine Kinder leiden darunter. Alternativer Plan: Morgens um 7 Uhr zum Strand, 10 Uhr zurück. Von 10 bis 17 Uhr: Wasserpark, klimatisiertes Museum oder Einkaufszentrum (das Napa Square hat Klimaanlage und Läden). Abends nach 18 Uhr wieder raus.
Bei Regen (selten, aber möglich)
Ayia Napa hat wenig Regen, aber im Winter kann es vorkommen. Alternativen: Thalassa Museum (maritime Geschichte, 5 Euro Eintritt, zwei Stunden), Aquarium (8 Euro), Einkaufszentrum, Hotel-Aktivitäten, Kino (oft englische Filme mit griechischen Untertiteln). Oder: einfach einen Ruhetag nehmen. Es ist Urlaub.
Restaurantempfehlungen nach Budget
Günstig (unter 10 Euro pro Person): Souvlaki House, Taverna Christos, lokale Döner-Läden. Mittel (10–20 Euro): Limanaki, Zygo Restaurant, Karolos Fish Taverna. Gehoben (20–35 Euro): Arsinoe, Nissia, Sage. Für Familien mit Kindern: Die günstigen und mittleren Optionen sind besser – weniger Druck, Kinder sind willkommen, Portionen sind groß.
Praktische Tipps für die Woche
Kauft eine Wochenkarte für den lokalen Bus (nicht nötig, wenn ihr ein Auto mietet, aber sparsam). Gebt den Kindern jeden Morgen Sonnencreme – nicht verhandeln, einfach machen. Bringt Flip-Flops mit, nicht neue kaufen. Das Supermarkt AB Vasiliades ist zentral und billig. Kauft dort Wasser (1,50 Euro pro 1,5-Liter-Flasche), Obst, Snacks. Macht mindestens zwei Ruhetage – echte Ruhetage, nicht nur Strandruhetage. Das ist wichtig für die Psyche.
Meine persönliche Erfahrung: Familien, die versuchen, jeden Tag etwas Neues zu machen, sind am Ende der Woche erschöpft und genervt. Familien, die einen Rhythmus haben – Strand, Pause, eine Aktivität, Essen, Schlafen – gehen glücklicher nach Hause.
Wann bucht man was?
Hotels: Mindestens zwei Monate vorher. Flüge: Vier bis sechs Wochen vorher. Mietauto: Eine Woche vorher (online ist billiger als vor Ort). Restaurants: Für gehobene Restaurants eine Woche vorher reservieren, für Tavernen nicht nötig. Wasserpark-Tickets: Vor Ort kaufen, es gibt keine Online-Rabatte.
Diese Woche funktioniert. Ich habe sie mit Dutzenden Familien durchgesprochen, und fast alle sagen das Gleiche: Der Plan gibt Struktur, ohne zu ersticken. Die Kinder sind glücklich, die Eltern auch. Und am Ende sitzt ihr am Strand, trinkt Kaffee, schaut den Kindern beim Spielen zu – und das ist genau das, wofür ihr nach Zypern gekommen seid.
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